Kleines Lexikon der Medizin

Was versteckt sich hinter den verschiedenen Fachausdrücken:

ALCAPA oder Bland-White-Garland Syndrom
Die wichtige linke Herzkranzarterie entspringt aus der Lungenarterie und nicht aus der Hauptschlagader. Eine seltene, aber möglicherweise gefährliche Art einer Herzkranzgefäss-Anomalie.

Aorta
Hauptschlagader

Aortenaneurysma
Erweiterung und Aussackung der Hauptschlagader-Wand

Aortenklappe
Herzklappe zwischen der linken Herzpumpkammer und der Hauptschlagader

Aortopulmonale Kollaterale
Zusätzliches Gefäss, welches von Hauptschlagader entspringt und die Lungen mit Blut versorgt. Bei grösseren aortopulmonalen Kollateralgefässen wird auch der englische Begriff MAPCA (für Major AortoPulmonary Collateral Artery) verwendet.

Arcus aorta dexter
In Normalfall zieht die Hauptschlagader links der Wirbelsäule im Brustkasten nach unten, Richtung Füsse. Beim Arcus aortae dexter zieht die Hauptschlagader rechts der Wirbelsäule im Brustkasten nach unten. Arcus aortae dexter ist lateinisch und bedeutet rechts gelegener Bogen der Hauptschlagader.

Arterie
Gefäss, welches Blut vom Herzen weg transportiert. Das Gegenteil davon ist eine Vene – ein Gefäss das Blut zum Herzen hin transportiert.

Atresie
Fehlerhaft ausgebildet, in Bezug auf eine Öffnung, eine Herzklappe oder ein Gefäss. Es ist dies die extremste Form einer Stenose/Verengung – nämlich so ausgeprägt, dass kein Blut mehr hindurchfliesst.

Atrium
Vorhof des Herzens. Das Herz hat einen rechten Vorhof, in welchen normalerweise die untere und obere Hohlvene münden. In den linken Vorhof münden normalerweise die Lungenvenen.

Autograft
Ein Gewebe oder ein Organ, welches aus dem Körper entnommen wird und beim gleichen Patienten an einer neue Stelle eingesetzt wird. So wird beispielsweise bei der Ross-Operation ein Teil der Lungenarterie entnommen und in Aorta-Position eingesetzt.

Blalock Taussig Shunt
Eine Operation mit dem Ziel, den Blutfluss im Lungenkreislauf zu erhöhen. Es wird eine Verbindung zwischen der Schlüsselbeinarterie und der gleichseitigen Lungenarterie geschaffen (ein Shunt).

Bradykardie
Ein langsamer Herzschlag (weniger als 60 Schläge pro Minute).

Cor
Herz auf lateinisch

Dacron
Synthetisches Material, welches früher oft bei einer Herzoperation zum Verschluss von Defekten oder Löchern im Herz verwendet wurde.

Dextrokardie oder Dextroposition
Das Herz ist im Körper auf die rechte Seite verlagert. Normalerweise liegt es links. Falls alle inneren Organe im Körper spiegelbildlich vertauscht sind spricht man von einem Situs inversus.

Down Syndrom
Genetisches Syndrom welches die sich ausprägt aufgrund einer Trisomie 21, d.h. das Chromosom 21 kommt 3-fach und nicht 2-fach wie normalerweise vor.  Es kann zu typischen Fehlentwicklungen an verschiedenen Geweben kommen, häufig führt es zu Kleinwuchs, charakteristischer Gesichtsveränderung, geistiger Behinderung. Angeborene Herzfehler sind häufig, besonders ein Endokardkissendefekt oder ein Ventrikelseptumdefekt. Es kann ein Mitralklappenprolaps und eine Aorteninsuffizienz vorliegen.

Echokardiographie
Ultraschalluntersuchung des Herzen. Es lassen sich die Grösse, die Pumpleistung der Herzkammern wie auch die Dichtigkeit der Herzklappen dadurch untersuchen.

Eisenmenger-Syndrom
Schwerer Lungenhochdruck aufgrund eines angeborenen Herzfehlers.
 
Elektrokardiogramm oder EKG
Aufzeichnung der elektrischen Erregung des Herzens in Form von Kurven auf einem fortlaufenden Papierstreifen. Im EKG lässt sich der Herzrhythmus untersuchen.

Fontan Operation
Operation für Patienten mit einem so schweren Herzfehler, dass eine Trennung von venösem und arteriellem Blut im Herzen nicht möglich ist. Durch die Fontan-Operation wird das venöse Blut, welches aus dem Körper zum Herzen zurück fliesst, am Herzen vorbei direkt zu den Lungenarterien geleitet, so dass keine Herzpumpkammer mehr im Lungenkreislauf zwischengeschaltet ist.


Glenn Shunt
Die obere Hohlvene wird vom Herzen abgehängt und direkt an die Lungenarterie gehängt. Dadurch fliesst venöses Blut direkt in die Lungen, ohne vorher ins Herzen gelangt zu sein.


Gore-Tex
Ein Synthetisches Material, welches heute bei einer Herzoperation zum Verschluss von Defekten oder Löchern verwendet wird. Auch künstliche Gefässrohre sind aus Gore-Tex.


GUCH
Grown-up congenital heart disease (englisch), bedeutet „Erwachsen mit angeborenem Herzfehler“.


Heterograft
Ein Gewebe, typischerweise eine Herzklappe oder Teile der Hauptschlagader, das nicht vom Menschen sondern von einem Tier stammt (z.B. von Rindern oder Schweinen, wie biologische Kunstklappen).


Homograft
Ein Gewebe, das von einem Menschen stammt.


Herzkranzgefäss
Blutgefäss, das aus der Hauptschlagader entspringt und das Herz mit Blut und Sauerstoff versorgt. Es gibt zwei Herzkrankgefässe (links und rechts).

Insuffizienz
Insuffizienz bedeutet „nicht fähig seiner Aufgabe nachzukommen“. Bei einer Klappeninsuffizienz bedeutet dies eine Undichtigkeit der Herzklappe, so dass des Blut durch die Klappe in die falsche Richtung zurückfliesst. Mit Herzinsuffizienz versteht man die Pumpschwäche des Herzmuskels. Er ist „unfähig“ die nötige Pumpleistung zu erbringen weil er zu schwach ist.

Koronarangiographie
Herzkatheteruntersuchung in der die Herzkranzgefässe mit Kontrastmittel unter Röntgendurchleuchtung dargestellt werden.

Marfan Syndrom
Eine vererbbare Bindegewebeerkrankung mit ganz unterschiedlicher Ausprägung. Es kann zu einer Erweiterung (Aneurysma) der Hauptschlagader kommen.


Mitralklappe
Herzklappe zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzpumpkammer. Sie besteht aus zwei Segeln und wird daher auch „Zwei-Segel-Klappe“ genannt. Der Name „Mitra“ bezeichnet die traditionelle Bischofmütze, welche ebenfalls zweizipfelig ist.


Magnetresonanztomographie (MRI)
MRI steht für magnetic resonance imaging und heisst im Deutschen Kernspintomographie. Dadurch lassen sich Bilder vom Körper und seiner Organe erstellen, bei denen keine schädlichen Röntgenstrahlen eingesetzt werden. Allerdings darf man kein bewegliches Metall im Körper eingesetzt haben. Mit einem Schrittmacher sollte man nicht ins MRI liegen.


Orthotop
An einer anatomisch normalen Stelle lokalisiert

Palliation, palliative Operation
Ein Eingriff, bei dem ein Herzfehler nicht korrigiert, der aber dazu dient, dass es einem nachher besser geht.

Pulmonale Hypertonie
Erhöhter Druck im Lungenkreislauf. Gemessen werden kann der Druck im Lungenkreislauf im Herzultraschall oder in einer Herzkatheteruntersuchung.

Pulmonalklappe
Herzklappe zwischen der rechten Pumpkammer und der Lungenarterie. Das Blut fliesst vom rechten Ventrikel über die Pulmonalklappe in die Lungenschlagader

RVOTO
Right outfow tract obstruction (englisch), Verengung im rechten Ausflusstraktes des Herzens.

Septum
Scheidewand zwischen zwei Herzkammern. Das Ventrikelseptum ist die Scheidewand zwischen den Pumpkammern, das Vorhofseptum die Scheidewand zwischen den Vorkammern, wo das Blut sich sammelt.

Shunt
Kurzschlussverbindung zwischen Blutgefäßen bzw. Gefäßsystemen (z. B. aus dem großen in den kleinen Blutkreislauf als Links-Rechts-Shunt und umgekehrt als Rechts-Links-Shunt.)

Stent
Scherengitterartiges Drahtgerüst, welches in einem Herzkathetereingriff eingesetzt wird um verengte Gefässe zu erweitern. Es gibt selbstexpandierende Stents die von selbst sich aufdehnen und solche, die mit einem Ballon aufgeweitet werden.

Stenose
Fachwort für Verengung – eine Klappenstenose (z.B. Aortenstenose) ist ein verengte Herzklappe, die nicht mehr richtig öffnet. Es können auf Gefässe verengt sein, z.B. die Lungenarterie. In diesem Fall spricht man von einer Pulmonalstenose.

Tachykardie
„Herzrasen“; Ein Puls in Ruhe > 100/min wird als Tachykardie bezeichnet.

Trikuspidalklappe
Dreizipfelige Segelklappe zwischen dem rechten Vorhof und dem rechten Ventrikel

Univentrikuläres Herz
Anstelle von zwei gut ausgebildeten Pumpkammern besteht nur eine grosse „Haupt-Pumpkammer“.  Die zweite Pumpkammer fehlt entweder vollständig oder ist nur teilweise ausgebildet.

Vene
Gefäss, durch welches Blut zurück zum Herzen fliesst.

Ventrikel
Heisst wörtlich “Kammer” und meint die Herzpumpkammer. Das Herz hat einen muskelstarken linken Ventrikel, welcher normalerweise das Blut in die Hauptschlagader und in den Körperkreislauf pumpt. Der rechte Ventrikel ist normalerweise schwächer und pumpt das Blut in die Lungenarterie und in den Lungenkreislauf. Dort ist der Druck 3-4 tiefer als im Körperkreislauf, desto muss er auch nicht so stark ausgebildet sein.

Vorhof
Vorkammer die vor der Pumpkammer liegt, wo das Blut sich sammeln kann bevor es über die Herzklappen in die Pumpkammern fliesst.

Zyanose
Eine bläuliche Verfärbung der Haut, aufgrund eines erhöhten Vorkommens von Gewebe mit sauerstoffarmen Blut (Hämoglobin). Bei angeborenem Herzfehler entsteht eine Zyanose in der Regel durch einen rechts-links-Shunt im Herzen, d.h. sauerstoffarmes Blut tritt von der venösen Kreislaufhälfte in die arterielle Kreislaufhälfte über, vermischt sich mit sauerstoffreichem Blut und senkt dadurch insgesamt den Sauerstoff-Gehalt des arteriellen Blutes.